Über mein geklautes Smartphone, erwzungenes Digital Detox und Selbsterkentnis

Es ist Dienstag. 18 Stunden Flug liegen hinter uns und endlich haben wir unser Ziel, Denpansar, erreicht. Voller Vorfreude auf die kommenden zwei Wochen machten wir uns auf den Weg zum Taxistand. Hier wurden wir sofort von mindestens 10 Leuten angesprochen. Wir verhandelten ein bisschen und saßen schnell in einem klimatisierten Taxi eines jungen Mannes Richtung Uluwatu, dem ersten Stopp unserer Reise. Fast am Ziel, irrten wir umher und konnten unser Homestay einfach nicht finden. Der Taxifahrer fragte mehrmals nach der Adresse und ich zeigte sie ihm immer wieder auf meinem Handy. So ging es 20 Minuten weiter, bis wir unser Ziel endlich erreichten. Nachdem die Koffer ausgeladen waren, fuhr der Taxifahrer weg und wir erkundeten unsere neue, wunderschöne Unterkunft die noch viel schöner aussah, als auf den Bildern.

Nachdem wir uns ein wenig frischgemacht hatten und alle versuchten, noch irgendwie die Augen aufzuhalten, fiel mir plötzlich auf, dass mein Handy weg ist. Im ersten Moment habe ich mir noch nicht so viel dabei gedacht, denn den Satz „Mein Handy ist weg“ lasse ich mindestens einmal am Tag los. Doch auch nachdem wir jegliches Gepäck, all unsere Taschen und den Weg nochmal abgesucht hatten, blieb es verschwunden. Bis mir einfiel, wo ich es als letztes hatte.. schnell wurde mir klar, was passiert war und ich fing an zu weinen. Ich war so weit gereist und DAS sollte meine erste Erfahrung in Bali sein? Tränen flossen, ich ärgerte mich über mein Pech (ich ziehe so etwas nämlich magisch an) und hakte den Urlaub in Gedanken schon ab. Dazu kam noch, dass ich einige Fotos noch nicht im Backup hatte und auch meine ganzen Instagram-Entwürfe nun verschwunden waren.

Als ich nachts vom Jetlag wach lag, musste ich plötzlich über mich selbst lachen.. ein Handy? Klar, ich habe es jeden Tag Stunden in Gebrauch und nutze es für Mails, Fotos, Nachrichten, Sport und alles mögliche, aber dennoch… ein Handy? Ich beschloss, mich deswegen nicht weiter aufzuregen und alle negativen Gedanken aus meinem Kopf verschwinden zu lassen. Auf Bali hatte ich mich monatelang gefreut, nicht zuletzt, weil ich mich auf die gemeinsame Zeit mit meiner Mama, meiner Schwester und Roman so gefreut hatte.

Dass so ein kleines Ding, so eine Kontrolle über mich hat, brachte mich zum Nachdenken. Wir leben in einer Welt, in der wir mehr Online- als Offline-Kontakte haben. In einer Welt, in der wir mehr online als offline kommunizieren und in der es wichtiger ist, online sympathisch zu wirken, als im wirklichen Leben. Und nachdem die ersten Tage ohne Handy an mir vorbeizogen, merkte ich plötzlich, wie befreit ich mich fühlte. Kein ständiges Mails checken, Instagram durchscrollen, Likes aktualisieren oder sinnloses runtergescrolle bei Facebook. Was mir auch auffiel, waren die Situationen, in denen ich normalerweise sofort mein Handy rausgeholt hätte. Es waren meistens Situationen die mit kurzem Warten zutun hatten wie z.B. im Restaurant. Schnell wurde mir klar, dass wir verlernt haben, nicht beschäftigt zu sein – mit unseren Gedanken alleine zu sein. Doch genau das formt einen Menschen und seine Persönlichkeit. Zeit mit sich selbst zu verbringen und sich besser kennenzulernen ist in der heutigen Zeit kaum machbar, es sei denn, man entscheidet sich bewusst dafür.

Auch wenn ich mich nicht bewusst dafür entschieden habe und mein Digital Detox eher erzwungen war, muss ich feststellen, dass die letzten 10 Tage ohne mein Smartphone unglaublich befreiend waren, ohne Druck und mit vielen schönen Momenten, die ich nicht in meiner Camera Roll gespeichert habe, sondern in meinem Herzen. In den letzten 10 Tagen war ich sehr nachdenklich und habe so viele Gedankengänge gehabt, über die Zukunft nachgedacht und Ideen für neue private und berufliche Projekte bekommen, wie noch nie. Der Raum, der sonst mein Smartphone eingenommen hätte, bescherte mir viele neue Gedankenansätze, für die ich sehr dankbar bin.

Wer hätte also gedacht, dass diese negative Erfahrung zu so viel Erkenntnis und Positiven führt? Was ich damit sagen will: lasst negative Erfahrungen nicht euer Leben kontrollieren. Versucht, in allem das Positive zu sehen. Denn in jeder Erfahrung, mag sie noch so furchtbar sein, steckt etwas Positives, was wir vielleicht auf den ersten Blick nicht sehen können. Und zu guter Letzt: Lasst das Smartphone öfters mal liegen und verbringt mehr Zeit mir euren Gedanken und Ideen! 

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Schuhe Edited the Label

Kleid Jake*s

 

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